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Vier Jahre später…

29.06.2020


Alan Roura, der Jüngste in der Geschichte der Vendée Globe von 2016, sollte diese Kappe als jüngster Teilnehmer im Jahr 2020 wieder tragen. Aber diesmal geniesst er den Sonderstatus als «junger Erfahrener», in Verbindung mit einer Festanstellung, den der Segler der La Fabrique zu nutzen beabsichtigt.

Nach vier Saisons, nicht weniger als zehn Rennen und acht Transatlantikrennen (darunter vier Einhandrennen und zwei Transatlantikrennen) an Bord seines neuen IMOCA-Bootes La Fabrique, wird Alan Roura zum zweiten Mal an der Vendée Globe teilnehmen. Roura ist nun weiter als vor der letzten Austragung. Damals mit 23 Jahre hatte er nur elf Monate Zeit, um sein Boot umzubauen und sich auf dieses Abenteuer einzulassen. Heute ist er vorbereitet. Er kennt sein 60-Fuss-Boot: «Ich hatte noch nicht die Chance, ein eigenes Boot zu bauen das perfekt auf meine Bedürfnisse und meine Art zu segeln abgestimmt ist», räumt der 27-jährige Segler ein. «Während diesen vier Jahren konnte ich vieles ändern, beobachten, testen und abstimmen, bevor ich dann hoffenltich aus allem die richtigen Schlüsse gezogen habe. Diese langfristige Vorbereitung war daher von ebenso vielen Erfolgen wie Misserfolgen gekennzeichnet, die alle zu angemessenen Überlegungen und Reaktionen führten.» 

So ermöglichte beispielsweise der Rekord für die Solo-Nordatlantiküberquerung im Juli 2019 die Validierung bestimmter technischer Daten und stärkte auch sein Vertrauen - gerade nach dem enttäuschenden 21. Platz bei Transat Jacques Fabre – dass er noch viel Arbeit für das Grossereignis vor sich hat.

Erfahrung und Arbeit: eine gute Kombination

Denn, wenn die IMOCA 60er die bisher leistungsfähigsten Einrumpfboote mit Einhandbedienung sind, so liegt das auch daran, dass sich diese Boote ständig weiterentwickeln. Nichts kann an Bord jemals als selbstverständlich vorausgesetzt werden, alles kann immer verbessert werden. Sowohl technisch als auch hinsichtlich der Leistung des Seglers. Aus diesem Grund hat Alan beschlossen, eine echte körperliche Vorbereitung in seine wöchentliche Routine zu integrieren und Sport, Yoga und Segeln auf dem Figaro Bénéteau zu kombinieren. Ein letzter Aspekt, der leider durch die Pandemie von Covid-19 stark beeinträchtigt wurde, da der Genfer nur an einigen wenigen Trainingseinheiten mit Gwénolé Gahinet allein oder zu zweit teilnehmen konnte, nicht aber an einem der Rennen, die ursprünglich Anfang des Jahres in seinem Kalender vorgesehen waren. 

Da jedoch die Anpassung die wichtigste Eigenschaft eines Seglers ist, wurde die Arbeit an Bord seiner IMOCA La Fabrique im Mai wieder aufgenommen. Roura hatte bereits 2018 mit dieser Arbeit begonnen, an der Seite des renommierten Trainers Tanguy Leglatin, der damals über ihn sagte: «Alan ist ein guter Segler, wie man sieht, aber ihm fehlen ein paar Regattareflexe. Er lernt schnell und er hat bereits einige seiner "konservativen" Befürchtungen überwunden. Alan hat auch ein sehr gutes Gefühl für sein Boot, aber es fehlt ihm manchmal immer noch ein wenig Strenge, wenn es um Anpassungen geht.        

Julien der Streber, "Gwéno" der Trainer 

2020 haben Julien Villion und Gwénolé Gahinet die Aufgabe übernommen, Alan in der allerletzten Etappe seiner Vorbereitung auf  Vendée Globe zu unterstützen. Beide erkennen zwar die natürliche Leichtigkeit von Alan sowie seine unbestreitbaren Qualitäten als Segler, doch können beide dieses noch junge Profil vervollständigen.

«Meine Idee ist nicht, die Art und Weise, wie Alan segelt, zu revolutionieren», sagt Julien, «sondern seinen Einsatz der Werkzeuge an Bord zu optimieren. Alans Stärke ist sein exzellentes Gefühl, aber um schnell und an die richtige Stelle zu gelangen, muss man vielseitig sein und da kann er noch Fortschritte machen. Ich möchte ihm mehr Methoden zeigen, die ihm die Entscheidungsfindung erleichtern und ihm helfen, die grössten strategischen Fehler zu vermeiden.»

Julien sagt weiter: «Ich bin wie im letzten Jahr am Wetter und an der Strategie an Bord beteiligt, aber auch an der Analyse und Optimierung der Leistung. Das bedeutet, die Daten aus den verschiedenen Fahrten zu verarbeiten und einen Reflexionsprozess durchzuführen, um den Betrieb des Bootes zu verstehen und zu optimieren. Letztendlich muss ich in der Lage sein, die genaueste "Gebrauchsanweisung" für das Boot zu liefern und zwar mit der bestmöglichen Abstimmung von Segeln, Folien, Gewichtsverteilung an Bord usw. für jeden möglichen Zustand. Deshalb ist es so wichtig, an Bord der La Fabrique so viele Meilen wie möglich zu sammeln.»

Jeder technische Ausflug, jedes Training, jede Qualifikationsstrecke und jedes Rennen wurde daher mit einem Notebook zur Unterstützung genutzt, um alle notwendigen Daten aufzuzeichnen. «Ich schlage sehr spezifische Kurse vor, damit er die von uns gesuchten Geschwindigkeiten und Bedingungen erfüllen und die von uns gewünschten Segel zu handhaben weiss. Es ich wichtig zu validieren, welches Segel bei welchen Windbereichen schneller ist. Auch testen wir im Ausland, weil wir da andere Bedingungen vorfinden.»

Um diese Kultur des reinen Regattasports weiterzuentwickeln, wird Gwénolé Gahinet seine umfangreiche Erfahrung als Rennfahrer als Trainer einbringen. Dieser wahre Tausendsassa (Siege in Mini 6.50, Figaro, IMOCA, Ultim...) ist zwar auch an der Feinabstimmung des Bootes beteiligt, analysiert und nimmt an der Validierung der technischen Aspekte teil, doch steht vor allem der Segler im Mittelpunkt seiner Arbeit. «Es ist immer gut, so viele Augenpaare wie möglich an Bord zu haben, alles zu beobachten und sich an Diskussionen zu beteiligen», erklärt er. Aber ich konzentriere mich vor allem darauf, wie Alan arbeitet, um die Bedürfnisse, die er möglicherweise hat, und die Entwicklungen, an denen wir gemeinsam arbeiten können, zu identifizieren. 

Während der 27-jährige Kapitän eine Reihe von Einhandmanövern durchführt, analysiert "Gwéno". 

«Ich beobachte seine Bewegungen, ich versuche, auf meine Erfahrungen in der IMOCA-Klasse zurückzugreifen, um zu sehen, was verbessert werden kann. Alan verfügt bereits über einige ausgezeichnete Automatismen. Er manövriert sehr gut, hat viel Erfahrung auf seinem Boot und sein Fundament ist sehr solide. Aber wir können immer etwas tiefer in die Methoden des Manövrierens, den Rhythmus des Rennens und das Leben an Bord einsteigen. Anders als im Jahr 2016 wird Alan in diesem Jahr alle Elemente in der Hand haben, um die schönsten seiner Vendée Globe-Geschichten zu schreiben...


Foto © Christophe Breschi / La Fabrique Sailing Team



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